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Nochmal mit Gefühl – Coole bekommen keinen Job

Cool ins Jobinterview?

© Karin & Uwe Annas - Fotolia.com

Morgens halb zehn im Vorstellungsgespräch. Die Krawatte sitzt. Der Bewerber auch. Neben ihm die akkurat sortierten Unterlagen. Die Körperhaltung ist aufrecht, die Miene freundlich. Alles cool. Alles easy. Alles oberflächlich. So, wie es in zahlreichen Bewerbungstipps steht. Aber alles Fassade.

Kein Mensch ist so ruhig, wenn er sich für einen Job bewirbt, den er wirklich will. Hier geht es um alles oder nichts. Um hopp oder top. Um starke Emotionen und jede Menge Stress. Personaler wissen das und erwarten auch ein Normalmaß an Nervosität. Das ist keine Schande, im Gegenteil: Es ist erfolgsentscheidend, so das Ergebnis einer Studie der Psychologin Jane Richards von der Universität Texas. Menschen, die im Vorstellungsgespräch eine coole Fassade aufsetzen, gelten als so genannte Gefühlsunterdrücker und kassieren fast immer Minuspunkte. Wer seine Gefühle versteckt, so das Fazit der Studie, kann in einer belastenden Situation schlechter auf seine Gesprächspartner eingehen und reagiert verzögert.

Denn Selbstbeherrschung kostet Kraft. Darunter leidet das Erinnerungsvermögen. Deshalb können sich Gefühlsunterdrücker auch schlechter an Gesprächsdetails erinnern. Die wissenschaftliche Erklärung: Wer cool sein will ist so sehr damit beschäftigt sein Verhalten zu reflektieren und zu kontrollieren, dass seine Hirnkapazitäten eingeschränkt sind. Wer jemals in mündlichen Prüfungen war, kennt das: Sobald man anfängt, über die Situation nachzudenken, blendet sich das gepaukte Wissen aus. Blackout.

Die Mannheimer Professorin für Sozialpsychologie, Dagmar Stahlberg, führte diesbezüglich ein interessantes Experiment durch: Sie zeigte mehreren Probanden einen lustigen Film. Die eine Hälfte der Teilnehmer durfte über die Gags lachen, die andere nicht. Anschließend sollten alle in einem Planspiel unternehmerische Entscheidungen treffen. Diejenigen, die ihre Gefühle zuvor unterdrücken mussten, entschieden deutlich vorsichtiger und setzten auf Sicherheit. Die Ausgelassenen dagegen waren mutiger und erfolgreicher.

Allerdings ist nicht jede Art der Emotionsregulierung schlecht. Wer sich zum Beispiel vor einem Vorstellungstermin (wie vor einer Prüfung auch) klar macht, dass es immer Alternativen gibt und nichts endgültig ist, baut Stress ab und schöpft so sein volles Leistungspotenzial aus. Seien Sie also besonnen, aber nicht abgebrüht!

Dies ist ein Gastbeitrag von Jochen Mai, der den Blog karrierebibel.de betreibt. Jochen Mai, Jahrgang 1968, studierte in Köln Volkswirtschaft und Politik und schrieb u.a. für Magazine wie „Forbes“, „Focus“ oder die „WirtschaftsWoche“. Zudem arbeitet er heute als Social Media Manager. 2008 erschien sein Bestseller „Die Karriere-Bibel“, 2009 folgte „Die Büro-Alltags-Bibel“ – ebenfalls ein Bestseller.

 

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