Bewerbung nach beruflicher Neuorientierung

Unflexible Arbeitszeiten, mangelnde Aufstiegsmöglichkeiten oder ein schlechtes Betriebsklima – die Unzufriedenheit mit dem aktuellen Job kann viele Gründe haben. Nicht alle dieser Probleme lassen sich mit einem bloßen Arbeitsplatzwechsel lösen, weshalb die berufliche Neuorientierung für viele Arbeitnehmer eine attraktive Option darstellt.


Ein solcher Schritt ist jedoch mit weitreichenden Folgen verbunden und sollte gut geplant werden. Eine der häufigsten Fragen im Zusammenhang mit einer Neuorientierung lautet: „Wie steht es um meine Erfolgschancen bei der Bewerbung in einer neuen Branche?“ Tatsächlich können Sie Ihre Aussichten mit der richtigen Herangehensweise deutlich verbessern.


In diesem Beitrag erfahren Sie, was bei der Bewerbung nach einer Neuorientierung zu beachten ist. Wir erläutern, wie Sie Ihren Veränderungswunsch im Anschreiben formulieren und zeigen häufige Fehler im Bewerbungsprozess auf. Zudem stellen wir ein passendes Bewerbungsmuster zum kostenlosen Download bereit.

Gründe für eine berufliche Neuorientierung

Viele Arbeitnehmer sind mit Ihrer beruflichen Situation unzufrieden. Liegen die Gründe in der schlechten Bezahlung, dem Betriebsklima oder der Länge des Arbeitsweges, kann bereits ein Arbeitgeberwechsel viel bewirken.


Manchmal erfüllt der Beruf jedoch nicht mehr die eigenen Erwartungen und es existiert der Wunsch nach etwas Neuem. In diesem Fall kann eine berufliche Veränderung die beste Option darstellen.


Sinnvolle Gründe für eine Neuorientierung sind unter anderem:

  • Die Identifikation neuer Interessen, Ansichten oder Talente

  • Mangelnde Möglichkeiten zur Weiterentwicklung / Berufliche Stagnation
  • Der Wunsch nach einer sinnvolleren Tätigkeit
  • Gesundheitliche Einschränkungen
  • Unflexible Arbeitszeiten
  • Das Bedürfnis, mehr Zeit mit der Familie zu verbringen

Viele Bewerber denken, dass Sie ab einem bestimmten Alter keine Chancen mehr auf einen neuen Job haben. Das stimmt aber nicht! Welche Vorteile Sie als erfahrener Arbeitnehmer mitbringen und was Sie bei der Bewerbung im Alter beachten sollten, erfahren Sie in unserem Beitrag „Bewerbung mit 50+“.

Mögliche Vorteile einer beruflichen Neuorientierung:

  • Ein frischer Start in einem neuen Umfeld kann Sie wieder aufblühen lassen

  • Sie können neue Erfahrungen in bisher unbekannten Branchen sammeln
  • Wenn Sie es richtig angehen und den passenden Arbeitgeber wählen: Bessere Arbeitsbedingungen und somit höhere Zufriedenheit im neuen Job

Mögliche Nachteile einer beruflichen Neuorientierung:

  • Zu häufige Wechsel im Werdegang wirken unstrukturiert und werfen Fragen im Vorstellungsgespräch auf

  • Falls Sie sich zu viel von der Neuorientierung versprechen oder aus den falschen Gründen gekündigt haben, werden Sie im neuen Job schnell wieder frustriert sein
  • Einen neuen Arbeitsplatz zu finden, ist nicht immer einfach. Ein Wechsel muss deshalb gut überlegt sein
Mirko Bettenhausen - Karriereexperte

Falls Sie den Arbeitgeber nicht wechseln wollen, bietet sich die sogenannte Karriereflexibilität an. Hierbei bleiben Sie im Unternehmen, führen jedoch eine andere Tätigkeit aus. Dadurch erhalten Sie neue Blickwinkel auf die Prozesse innerhalb des Unternehmens. Dieses Mittel kommt dann infrage, wenn Sie das Gefühl haben, beruflich nicht voranzukommen. Suchen Sie hierfür das Gespräch mit Ihrem Vorgesetzten.

Mirko Bettenhausen - Karriereexperte

Besonderheiten bei der Bewerbung nach Neuorientierung

Bei der Bewerbung nach einer beruflichen Neuorientierung sind einige Besonderheiten zu beachten. Die Herangehensweise ist dabei unter anderem von den Umständen einer Neuorientierung abhängig:

Bewerbung im gleichen Unternehmen vs. Unternehmenswechsel

Die berufliche Neuorientierung setzt nicht zwangsläufig einen Arbeitgeberwechsel voraus. Manchmal ist auch die interne Bewerbung in einem anderen Unternehmensbereich eine Option. Ein solcher Wechsel ist oftmals erfolgversprechender, schließlich sind Sie mit dem Unternehmen bereits vertraut und genießen dort möglicherweise einen Ruf als zuverlässiger Mitarbeiter.


Dennoch können fehlende Kenntnisse auch bei der internen Bewerbung zu einer unüberwindbaren Hürde werden. Besprechen Sie Ihr geplantes Vorgehen in der Regel zunächst mit Ihrem Vorgesetzten. Im Idealfall unterstützt dieser Ihr Vorhaben und kann möglicherweise ein gutes Wort für Sie einlegen.


Resultiert Ihre Motivation für eine berufliche Neuorientierung dagegen aus der Unzufriedenheit mit Ihrem aktuellen Arbeitgeber, kommt meist nur ein Unternehmenswechsel infrage.

Bewerbung in der gleichen Branche vs. Branchenwechsel

Bewerben Sie sich in der gleichen Branche, können Sie in der Bewerbung auf Ihre Berufserfahrung und / oder Bildung verweisen. Auch bei der Bewerbung in einem verwandten Berufsfeld lässt sich in der Regel ein Bezug zwischen Ihren Arbeitsinhalten und den Aufgaben im Wunschberuf herstellen.


Planen Sie jedoch den Einstieg in eine völlig neue Branche, ist die Bewerbung meist mit zusätzlichen Herausforderungen verbunden, denn andere Bewerber können Berufserfahrung vorweisen, die Ihnen fehlt. Einige Berufsfelder eignen sich besonders gut für einen Quereinstieg, darunter z. B. der Logistikbereich, das Personalwesen oder der Vertrieb. Aber auch im Journalismus oder in der IT ist es möglich, nach einer Neuorientierung Fuß zu fassen, vorausgesetzt Sie verfügen über das benötigte Talent bzw. Wissen.

Typische Quereinsteiger-Berufe zeichnen sich oft dadurch aus, dass ausgewählte Soft Skills wichtiger sind als fachliche Qualifikationen. Ärzte, Juristen oder Ingenieure folgen dagegen einem vorgegebenen Bildungsweg, weshalb diese und vergleichbare Berufe, die ein hohes Maß an fachlichen Qualifikationen erfordern, für eine Neuorientierung ungeeignet sind.

Das Ziel einer jeden Bewerbung ist es, den Arbeitgeber davon zu überzeugen, dass Sie eine Bereicherung für das Unternehmen darstellen. Thematisieren Sie daher nicht Ihre fehlenden Qualifikationen und verzichten Sie insbesondere auf Rechtfertigungen.


Fokussieren Sie sich stattdessen auf Qualifikationen, die Sie von anderen Bewerbern unterscheiden. Haben Sie in Ihrem vorherigen Job bereits mit Kunden Ihres Wunschunternehmens gearbeitet? Können Sie mit Ihren speziellen Kenntnissen womöglich zur Optimierung bestehender Prozesse im neuen Unternehmen beitragen? Vielleicht verfügen Sie auch über besonders gefragte persönliche Kompetenzen. Wichtig ist, dass in Ihrer Bewerbung deutlich wird, inwiefern diese Qualifikationen für die ausgeschriebene Position von Bedeutung sind. Vergessen Sie nicht, Ihre Angaben mit aussagekräftigen Belegen zu untermauern.


Praktika stellen eine sinnvolle Option dar, um relevante Praxiserfahrungen zu sammeln und erste Kontakte in Ihrem angestrebten Berufsfeld zu knüpfen. Nicht zuletzt hilft Ihnen ein Praktikum bei der Beurteilung der Branche. Ziehen Sie in Vorbereitung auf eine Neuorientierung außerdem  verschiedene Weiterbildungsmöglichkeiten in Betracht. Zertifikate aus anerkannten Schulungen, Online-Kursen oder vergleichbaren Angeboten können dabei helfen, fehlende Berufserfahrung auszugleichen und erleichtern Ihnen die Zusammenstellung aussagekräftiger Bewerbungsunterlagen.

Optionale Bestandteile wie ein Motivationsschreiben oder Kurzprofil können bei der strukturierten Darstellung Ihrer Kompetenzen hilfreich sein. Gleichzeitig signalisieren Sie so, dass sie bereit sind, bei Ihrer Bewerbung einen zusätzlichen Aufwand in Kauf zu nehmen.

Neuorientierung im Anschreiben begründen

Bewerbung nach Neuorientierung - Anschreiben

Beispiel Anschreiben im Premium-Design „Innovationsgeist“

Die berufliche Neuorientierung muss kein Manko Ihrer Bewerbung sein. Wenn Sie nachvollziehbar erklären, warum Sie eine Neuorientierung anstreben und deutlich machen, dass Sie der geeignetste Kandidat für die Stelle sind, können Sie Personalverantwortliche von sich überzeugen.


Der Wunsch nach einer beruflichen Veränderung stellt einen häufigen Grund für Jobwechsel dar. Personaler bewerten dies in der Regel eher positiv, schließlich zeigen Sie als Arbeitnehmer Eigeninitiative sowie die Bereitschaft, Neues zu lernen.


Wichtig ist, dass Sie Ihre Motivation für eine Neuorientierung im Bewerbungsschreiben schlüssig darstellen. Formulieren Sie diese, indem Sie die wahrgenommenen Vorzüge der angestrebten Position erläutern.


Im Gegensatz zur Betonung der Gründe, die zur Kündigung Ihres alten Arbeitsverhältnisses geführt haben, signalisieren Sie mit dieser Strategie, dass Sie Ihren Fokus gänzlich auf zukünftige Herausforderungen richten.

Die folgende Auflistung enthält einige Anregungen zur Begründung Ihrer Motivation:

  • Die Vorfreude auf neue Herausforderungen
  • Das Bedürfnis nach einer sinnvollen Tätigkeit
  • Der Wunsch nach Weiterbildung

Da Sie als Quereinsteiger womöglich nicht dem Anforderungsprofil der Stellenbeschreibung entsprechen, ist es bei der Bewerbung nach einer Neuorientierung umso wichtiger, dass Sie den Personaler schon frühzeitig beeindrucken. Gelingt es Ihnen bereits in der Einleitung, das Bild eines kompetenten und motivierten Bewerbers zu vermitteln, rücken Sie damit die fehlende Berufserfahrung in den Hintergrund. Verzichten Sie auf Floskeln wie „hiermit bewerbe ich mich“, da diese keinen Mehrwert bieten.


Wichtig: Für ausschweifende Rechtfertigungen ist im Anschreiben kein Platz. Legen Sie den Fokus nicht auf Ihre fehlenden Kenntnisse, sondern zeigen Sie stattdessen, warum Sie gerade aufgrund Ihres ungewöhnlichen Werdegangs eine Bereicherung für das Unternehmen darstellen.

Zeigen Sie Verbindungen zwischen Ihren bisherigen Tätigkeiten und Ihrer Zielbranche auf. Dabei dürfen Sie gern etwas kreativ werden.


Beispielformulierungen für das Bewerbungsschreiben:

  • „Durch einen Schicksalsschlag in der Familie habe ich realisiert, wie wichtig der Beruf des Krankenpflegers ist. Deshalb möchte ich nun eine Ausbildung zum Krankenpfleger mit dem Ziel absolvieren, gesellschaftlich etwas zu bewirken.“

  • „Sieben Jahre lang habe ich als Friseur gearbeitet. Nun muss ich diesen Beruf aus gesundheitlichen Gründen aufgeben, weil ich diverse Allergien entwickelt habe. Dies sehe ich jedoch als Chance, meinen Horizont zu erweitern und mich neuen Herausforderungen zu stellen. Jetzt möchte ich eine Ausbildung zum Verkäufer beginnen, da ich immer gerne mit Menschen gearbeitet habe und den Umgang mit Kunden als eine meiner Stärken ansehe.“
Alexandra Schneider - Bewerbungsexpertin

In vielen Fällen ist Ihr zukünftiger Arbeitgeber an einer langfristigen Zusammenarbeit interessiert. Betonen Sie daher Ihre Motivation für eine Neuorientierung und erläutern Sie in der Bewerbung, warum ein spezielles Unternehmen, eine Branche oder die zu erwartenden Aufgaben Sie begeistern.

Alexandra Schneider - Bewerbungsexpertin

Neuorientierung im Lebenslauf darstellen

Stellen Sie Ihre Berufserfahrung und Ihren Bildungsweg im Lebenslauf wie gewohnt dar. Verzichten Sie jedoch auf erschöpfende Auflistungen von Aufgaben und Studienschwerpunkten, sofern kein Bezug zu den Tätigkeiten in Ihrem neuen Job hergestellt werden kann.


Auch bei der Auflistung weniger allgemeiner Kenntnisse und Fähigkeiten sollten sie sich auf Kompetenzen beschränken, die für die ausgeschriebene Position von Relevanz sind. Diese Relevanz sollte für den Leser entweder direkt erkennbar sein oder alternativ im Anschreiben sinnvoll begründet werden. Versuchen Sie die Anforderungen aus der Stellenbeschreibung in Ihrem Lebenslauf abzubilden. Vermeiden Sie dabei jedoch falsche Angaben.


Kostenlose Vorlage für das Anschreiben

Um Ihnen bei der Erstellung Ihres Anschreibens zu helfen, haben wir Ihnen ein Muster für das Anschreiben erstellt, welche genau aufzeigt, worauf es in den verschiedenen Abschnitten des Anschreibens besonders ankommt und welche Inhalte auf keinen Fall fehlen dürfen. Laden Sie die Bewerbungsvorlage durch einen Klick auf den unten stehenden Button jetzt kostenlos herunter!


Berufliche Neuorientierung - Tipps zur Jobsuche 

Eine berufliche Neuorientierung ist mit weitreichenden Folgen verbunden und sollte daher gut geplant werden. Im Idealfall haben Sie bereits früh eine Tätigkeit identifiziert, welche einen Quereinstieg ermöglicht und Ihren Vorstellungen entspricht. Um zu vermeiden, dass Sie eine neue Stelle antreten und erst später merken, dass diese nicht Ihre Erwartungen erfüllt, ist eine umfassende Recherche notwendig.


Um herauszufinden, welche Karriereperspektiven die anvisierte Tätigkeit bietet, sollten Sie u.a. folgende Informationen ermitteln:

  • Durchschnittsgehalt

  • Arbeitszeiten
  • Gibt es einen Fachkräftemangel oder eine Übersättigung an Bewerbern?
  • Typischer (Aus-)Bildungsweg
  • Aufstiegsmöglichkeiten
  • Jobsicherheit

Wenn Sie wissen, in welchem Bereich Sie sich bewerben möchten, sollten Sie in Vorbereitung auf die Stellensuche folgende Fragen beantworten:

  • Welchen Anforderungen sollte eine Stelle entsprechen?

  • Was sind meine Stärken und Schwächen?
  • Welche Kenntnisse, Fähigkeiten und Soft Skills grenzen mich von anderen Bewerbern ab?
  • Welche Kompetenzen fehlen mir?
  • Inwiefern kann ich fehlende Kompetenzen erwerben?
  • Was ist meine Motivation für eine Tätigkeit auf dem ausgewählten Gebiet?

Weitere Möglichkeiten zur beruflichen Neuorientierung

Neben der erneuten Job-Bewerbung existieren im Rahmen einer beruflichen Neuorientierung verschiedene Möglichkeiten der Umschulung. Welche Sie für sich nutzen können, hängt von Ihrer Berufswahl, Ihren Vorerfahrungen und Ihren Lebensumständen ab. Um nicht vom Regen in die Traufe zu kommen, sollten Sie sich vorab umfangreich informieren. Eine professionelle Karriereberatung und Coaches können Ihnen dabei helfen und Ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt einschätzen.


Es existieren folgende weitere Möglichkeiten zur beruflichen Neuorientierung:

  • Ausbildung

    Aktuell werden Azubis in vielen Branchen händeringend gesucht. Ihre Chancen, mit einer Ausbildung einen beruflichen Neustart zu erreichen, stehen also gut. Für Berufstätige, die sich für eine Ausbildung entscheiden, kann das Ausbildungsgehalt eine immense finanzielle Veränderung bedeuten. Je nach Alter und Lebensumständen bietet der Staat aber finanzielle Unterstützung. Die Bundesagentur für Arbeit kann Sie beraten, welche Förderung in Ihrem Fall infrage kommt.

  • Studium

    Ein Studium kann ebenfalls eine Möglichkeit zur beruflichen Neuorientierung bieten. Die Berufsaussichten nach einem Studium der MINT-Fächer (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik) oder einer Ingenieurwissenschaft sind auch ab 30 Jahren noch sehr gut. Allerdings ändert sich die finanzielle Unterstützung ab dem 30. Lebensjahr für Studenten maßgeblich. Der Anspruch auf BAföG und preisreduzierte studentische Krankenversicherung erlischt. Wer nicht über genug Erspartes verfügt, muss also neben dem Studium arbeiten. Für Berufstätige empfiehlt es sich daher, ein Teilzeit- oder Fernstudium zu absolvieren.


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