Was genau bedeutet Outplacement?
Arbeitnehmende erhalten professionelle Unterstützung bei der beruflichen Neuorientierung: Coaching, Bewerbungsunterlagen, Netzwerkzugang und psychologische Betreuung. Das kann Unsicherheiten und Zukunftsängste abfedern und die Chancen auf dem Arbeitsmarkt erhöhen. Die Maßnahmen sind durchaus erfolgsversprechend. Laut Studie des BDU finden rund 40 % der Outplacement-Kandidaten in weniger als 6 Monaten eine neue Beschäftigung.
Outplacement ist daher für viele Unternehmen Teil einer verantwortungsvollen und modernen Personalpolitik. Es ermöglicht einen fairen und sozialverträglichen Trennungsprozess und verbessert das Arbeitgeberimage („Employer Branding“). Firmen vermeiden so negative Schlagzeilen und bewahren das Vertrauen verbleibender Mitarbeiter.
Wie ist der Ablauf von Outplacement-Maßnahmen?
Für die Außenvermittlung beauftragt der Arbeitgeber in der Regel ein externes Beratungsunternehmen. Alternativ erhalten Arbeitnehmer ein Outplacment-Budget vom Arbeitgeber, um sich eigenständig ein Beratungsunternehmen zu suchen. Die Outplacementberater helfen den Klienten
im Rahmen eines mehrstufigen Prozesses dabei, einen beruflichen Neuanfang zu finden.
Obwohl der Prozess teils individuell auf die jeweilige Situation der Klienten abgestimmt wird, lässt sich dennoch ein typischer Ablauf für ein Outplacement skizzieren, der sich meist in dieser Reihenfolge ergibt:
1. Standortbestimmung und Zielfestlegung, 2. Erstellung eines Qualifikationsprofils, 3. Entwicklung der Bewerbungsstrategie, 4. Umsetzung der Bewerbungsstrategie, 5. Unterstützung bei der Wahl des neuen Arbeitsplatzes
Bezüglich des Ablaufs gibt es keine gravierenden inhaltlichen Unterschiede zwischen Einzel- oder Gruppenoutplacements. Der Leistungsumfang sowie die Dauer variieren je nach Art des Outplacements und der Vertragsvereinbarung.
Wann sind Outplacement-Maßnahmen sinnvoll?
Outplacement ist immer dann sinnvoll, wenn ein Arbeitsverhältnis durch eine Kündigung endet. Zwar kann die Maßnahme auch nach Abschluss des Trennungsprozesses ergriffen werden, allerdings ist sie währenddessen effizienter, da den Beratenden mehr Zeit zur Verfügung steht, um die betroffene Person nahtlos in ein anderes Unternehmen einzugliedern. Das verhindert nicht nur unschöne Lücken im Werdegang wegen Phasen der Arbeitssuche, bedingt dadurch ist ebenfalls das Verhältnis zum ehemaligen Arbeitgeber weit positiver.
Welche Vorteile hat das Outplacement?
Vorteile für Arbeirgeber: Positiver Einfluss auf das Betriebsklima und Produktivität der im Unternehmen verbleibenden Mitarbeitenden, Vorbeugung von Imageschäden bei Interessensgruppen (z. B. Kunden), Positive Auswirkung auf Unternehmensreputation und Mitarbeitende, Vermeidung längerer Rechtsstreitigkeiten, Verhinderung von betriebsbedingten Kündigungen durch vermehrte Einwilligungen in Aufhebungsverträgen, Kosteneinsparungen durch Verkürzung von Restlaufzeiten der Arbeitsverträge, Geringere Wahrscheinlichkeit von negativen Mitarbeiterrezensionen in Arbeitgeberbewertungsportalen, Erleichterung der Kündigungsrechtfertigung und Sozialauswahl
Vorteile für Arbeitnehmer:
Je nach Outplacement-Vereinbarung eventuelle Jobgarantie, Verkürzung der Dauer der Stellensuche durch u. a. Hilfe bei Bewerbungen, Emotionale Stabilisierung in einer belastenden Situation dank persönlicher Betreuung bei der Arbeitsvermittlung durch Experten, Zugang zum verdeckten Arbeitsmarkt dank guter Netzwerke von Outplacementberatern, Unterstützung bei der Entwicklung einer individuellen Bewerbungsstrategie inklusive der Erstellung eigener Unterlagen, Vermeidung von Lücken im Lebenslauf durch geringere Chance der Arbeitslosigkeit, Reduzierung möglicher finanzieller Einbußen aufgrund der Kündigung durch beschleunigte Jobsuche, Chance auf eine berufliche Neuorientierung (z. B. Entdeckung beruflicher Alternativen), Professionelle Einschätzung und Weiterentwicklung der fachlichen und persönlichen Kompetenzen für eine bessere Ausgangssituation auf dem Arbeitsmarkt, Gesteigerte Motivation bei der Jobsuche aufgrund der Unterstützung im Hintergrund, Unterstützung bei einem Schritt in die Selbstständigkeit
Kann Outplacement Nachteile mit sich bringen?
Mögliche Nachteile für Arbeitgeber: Trotz hoher Erfolgschance keine Garantie für eine Vermittlung, Mögliches negatives Image trotz erfolgreicher Vermittlung, Möglicherweise geringere Kostenersparnis als bei einer herkömmlichen Kündigung
Mögliche Nachteile für Arbeitnehmer:
(Finanzielle) Nachteile durch den Verzicht auf geltende Ansprüche, Unpassendes Unternehmen oder unpassender Job, Potenzielle Einbußen im Gehalt speziell nach beruflicher Neuorientierung
Welche Arten von Outplacement gibt es?
Grundsätzlich existieren
vier verschiedene Formen des Outplacements, die meist in spezifischen Situationen Anwendung finden. Die Wahl zwischen den Arten des Outplacements trifft in der Regel das Unternehmen, also der (noch) aktuelle Arbeitgeber. Die vier unterschiedlichen Formen sind:
1. Einzelberatung (in Präsenz, Einzelgespräche mit Berater, Gesamtdauer meist zwischen 3 und 12 Monaten)
2. Gruppenoutplacement (in Präsenz, Gruppentermine mit Berater, häufig auch als Transfermaßnahme gehandhabt, Dauer meist mehrere Monate bis zu einem Jahr)
3. Virtuelles Outplacement (meist online, per Videotelefonie, Workshops usw., Einzeltermine mit Berater, flexibler und meist auch kostengünstiger als das Outplacement in Präsenz)
4. Internes Outplacement (wird bei regelmäßig stattfindenden Outplacements angewendet, Einzel- oder Gruppentermine, Berater sind hier nicht extern, sondern direkt beim Unternehmen angestellt, wodurch der Aufbau einer Vertrauensbasis erschwert werden kann)
Was kostet ein Outplacement?
Die Höhe der Kosten richtet sich vor allem nach der Dauer und Art des Outplacement sowie nach dem Profil der ausscheidenden Person. In der Regel gilt: Je länger der Leistungs- bzw. Betreuungszeitraum, desto höher die Kosten.
Je nachdem, wie die Leistungen angeboten werden (z.B. einzeln oder in der Gruppe, in Präsenz oder virtuell), können sich die Kosten von Dienstleister zu Dienstleister stark unterscheiden.
Dabei bedeutet ein Anbieter im oberen Preissegment jedoch nicht, dass die angebotene Dienstleistung dadurch automatisch besonders qualitativ sein muss.
Wie werden Outplacement-Kosten steuerlich behandelt?
Im Jahressteuergesetz 2020 hat der Gesetzgeber bestimmt, dass eine vom Arbeitgeber veranlasste und bezahlte Outplacement-Beratung für ausscheidende Mitarbeitende nicht mehr als geldwerter Vorteil behandelt wird. Das bedeutet, dass die Beratungsleistungen, selbst wenn sie von Dritten erbracht werden, (lohn-)steuerfrei sind. Den genauen Gesetzestext können Sie im Einkommensteuergesetz (
§ 3 Nr. 19 EStG) nachlesen.
Ist ein Outplacement nur für Führungskräfte relevant?
Nein, Outplacements sind nicht speziell für Führungskräfte konzipiert. Zwar nutzten Unternehmen in der Vergangenheit Outplacement dazu, um aus dem Betrieb scheidende Führungskräfte zu unterstützen, das hat sich allerdings im Laufe der Zeit gewandelt. Dennoch gibt es spezielle Arten des Outplacements, wie bspw. das Einzeloutplacement, die besonders für Führungskräfte und Manager geeignet sind.
Gibt es einen Unterschied zwischen Outplacement und Newplacement?
Wenn Sie sich näher mit dem Outplacement auseinandersetzen, stoßen Sie wahrscheinlich auch auf den Begriff „Newplacement“. Entgegen der ersten Vermutung handelt es sich hierbei jedoch nicht um ein gegensätzliches Konzept. In der Regel stehen beide Bezeichnungen für die Begleitung einer beruflichen Neuorientierung von Mitarbeitenden, die das Unternehmen verlassen müssen. Der Begriff Outplacement wird manchmal durch Newplacement ersetzt, um mögliche negative Assoziationen mit dem Wortteil „Out“ (deutsch: „Raus“) oder eine Verwechslung mit dem Outsourcing zu vermeiden. Newplacement findet meist dann begriffliche Verwendung, wenn Outplacementberater sich besonders Arbeitnehmerverbunden zeigen wollen.
Ist Outplacement gleich Karriereberatung?
Ja und nein. Zwar ist Karriereberatung ein essenzieller Bestandteil des Outplacements, jedoch gibt es einige Unterschiede. Karriereberatungen werden in der Regel von Arbeitnehmern selbst in Anspruch genommen, meist mit dem Ziel, ihre derzeitige berufliche Situation zu verbessern. Outplacement hingegen soll Arbeitnehmer in einer Kündigungssituation beraten und optimal auf die Suche auf dem Arbeitsmarkt vorbereiten. Eine tatsächliche Verbesserung ihrer Umstände bezogen auf bspw. das Gehalt ist zwar wünschenswert, wegen der akuten Trennung aber nicht das Hauptziel der Maßnahme.
Ist Outplacement eine Alternative zur Kündigung?
Nein, Outplacement ist keine Alternative zur Kündigung, sondern ein begleitendes Beratungs- und Unterstützungsangebot nach der Kündigungsentscheidung. Ziel des Outplacements ist es, gekündigten Mitarbeitenden zu helfen, schnell und erfolgreich eine neue berufliche Perspektive zu finden. Ein Outplacement ist oftmals auch Teil eines Aufhebungsvertrags.