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Hannover gegen anonyme Bewerbung

anonyme Bewerbung Hannover

© qualitystock - Fotolia.com

Die anonymisierte Bewerbung kommt. Den Sprung aus ihrem Heimatland, den USA, hat sie mit bravour gemeistert. 2011 feierte sie ihren ersten Erfolg. Das war in Celle. Dort fing alles an. Seitdem folgten weitere Pilotprojekte. Manche sind aktuell im vollen Gange, andere bereits eingestellt. Hannover macht es vor und schreibt die anonyme Bewerbung weitgehend als Fehlschlag ab. Kritiker dieser Entscheidung gibt es viele – selbst das eigene Bundesland Niedersachsen.

Fairness auf Bundesebene

Die anonyme Bewerbung steht für alles, dass sich Bewerber wünschen. Die Fairness macht sie attraktiv. Name, Alter, Geschlecht, Nationalität, Geburtsort, Familienstand sowie Angaben zur Religion, Weltanschauung und sexuellen Identität sollen keine Rolle mehr spielen – nicht im 21. Jahrhundert. In Celle startete 2011 das Pilotprojekt der Pilotprojekte und endete mit Erfolg. Die anonyme Bewerbung wurde angenommen.

Dies machte Hoffnung und gipfelte in besagten zusätzlichen Versuchen, diese auch in weiteren Städten gesellschaftsfähig zu machen. Aktuell testen Stuttgart und Berlin das Verfahren. Eine bundesweite Etablierung wird weiterhin angestrebt. Ein wichtiger Protagonist aus Niedersachsen brach nun seinen Test des anonymisierten Bewerbungsverfahrens ab.

Hannover: ein Protagonist im Test

Mit 32 ausgeschriebenen Stellen (24 im Gebäudemanagement / 8 im Fachbereich Planen und Stadtentwicklung) lockte Hannover Bewerber im Erprobungsjahr. Das Verfahren legte damit einen Schwerpunkt auf technische Berufe und lediglich 2 von 22 möglichen Fachbereichen.

Die vorgenommene Auswertung Hannovers offenbarte, dass, aus den 477 eingegangenen Bewerbungen, 62% männlichen und 38% weiblichen Aspiranten zugeordnet werden konnten. Im Vergleichsjahr 2012 waren noch 48% der Bewerber weiblich gewesen. An diesem signifikanten Verlust machte Hannover fest, dass sich, neben einem erhöhten Arbeitsaufwand, keine Vorteile gegenüber der herkömmlichen Bewerbung ergeben. Eine Analyse hingehend der Migrationshintergründe der Bewerber wurde nicht berücksichtigt.

„Das Verfahren brachte nicht die gewünschten Ergebnisse“, sagt Andreas Möser, Pressesprecher der Stadtverwaltung (taz).

Das Urteil Hannovers war somit klar – „Nein“ zur anonymen Bewerbung! Sinnvolle Faktoren des getesteten Verfahrens sollen übernommen werden. Darunter fallen das Alter des Bewerbers sowie ein bisher obligatorisches Bewerbungsfoto. Beide Faktoren sollen in Bewerbungen entfallen.

(K)ein überraschender Ausgang

Obwohl sich viele Kritiker überrascht von der direkten Absage Hannovers zeigten, war die Ablehnung der anonymisierten Bewerbung bereits vor Beginn des Erprobungsjahres spürbar. Die Hannoversche Allgemeine Zeitung zitierte im November 2011 den Personalchef Härke mit den Worten:

„Wir sind nicht hundertprozentig überzeugt von dem Ansatz (MiGAZIN).“

Der Ausgang des Tests kann somit nicht zwangsläufig als Überraschung gewertet werden und hinterlässt im Nachhinein einen faden Beigeschmack der Sorte „als hätte man es geahnt“. Durch den völligen Verzicht auf die Betrachtung der Entwicklung von Bewerbungen teilnehmender Migranten oder Menschen mit Migrationshintergrung stellt sich die Frage, inwiefern die Stadt Hannover das Pilotprojekt als Initiative zur Schaffung eines vorurteilsfreien Arbeitsumfelds verstanden hat. Letztendlich bleiben Zweifel an der Motivation der Landeshauptstadt und einem Urteil, das vielleicht schon von Beginn an feststand.

Feedback & Kritik

Resonanz gab es vor allem aus dem eigenen Bundesland:

„Über die Hannoverschen Gründe mag sie nicht spekulieren: ‚Damit geht leider ein Protagonist auf kommunaler Ebene verloren‘, bedauert Landessprecherin Svenja Böhrk.“ (taz)

Selbst aus den eigenen Reihen wurde Kritik laut:

„‚Wir nehmen den Entscheid des Personaldezernats zur Kenntnis‘, sagt Michael Klie vom Organisations- und Personalausschuss.“ (taz)

Euphorie klingt anders. Doch auch bundesweit wurden skeptische Stimmen laut:

„‚Es ist erwiesen, dass Bewerber mit ausländischen Namen seltener zum Gespräch eingeladen werden als Mitstreiter mit deutschen Namen‘, so Sebastian Bickerich (ADS) …

… „Wir werden prüfen, ob man das Verfahren auch in anderen Bereichen durchführen kann.“ (taz)

Die Ablehnung der anonymen Bewerbung bleibt in Hannover vorerst beschlossene Sache. Die Niedersächsischen Pläne soll diese Entscheidung jedoch nicht durchkreuzen. Der Trend hält weiter an und wird voraussichtlich auch in Zukunft für Pilotprojekte auf bundesweiter Ebene stehen.