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Das Arbeitszeugnis – richtig lesen und verstehen!

Arbeitszeugnis

© eccolo - Fotolia.com

Ein Arbeitszeugnis ist etwas Tolles. Der Arbeitgeber erstellt es. Er verliert ein paar schöne Worte und der Angestellte legt es siegessicher in die neue Bewerbung. Leider hat ein Arbeitszeugnis auch seine Schattenseiten und kann dem Bewerber schaden, ohne, dass er es mitbekommt. Die „wirkliche“ Meinung des Vorgesetzten ist hier ausschlaggebend und verbirgt sich in vielen Fällen hinter gekonnten Formulierungen, welche eigentlich positiv oder wertfrei erscheinen. Wie ein Arbeitszeugnis wirklich betrachtet werden sollte, erfahren Sie hier.

Die Richtlinien für den Arbeitgeber

Der Arbeitgeber ist verpflichtet seinem Angestellten ein Arbeitszeugnis zu erstellen. Es ist ihm zusätzlich verboten zu erwähnen, weshalb das Beschäftigungsverhältnis endete, sofern der Angestellte dies nicht ausdrücklich gut heißt. Außerdem darf der Arbeitgeber seinem Mitarbeiter nicht absichtlich durch negative Äußerungen im Arbeitszeugnis schaden. Zuerst klingt dies nach einem richtigen Glücksfall, gegen den das Unternehmen, selbst im Falle eines schlechten Verhältnisses zum Angestellten, nicht einmal vorgehen kann. Doch falsch gedacht! Denn in Arbeitszeugnissen stehen die wichtigsten Informationen zwischen den Zeilen. Sie verraten geschulten Personalleitern oft, wie der Arbeitgeber tatsächlich über seinen Angestellten bzw. Ex-Mitarbeiter denkt und wie er seine Kompetenzen einschätzt. Das Arbeitszeugnis gerät immer mehr in ein schlechtes Licht.

Bei dem Auslöser handelt es sich jedoch nicht um den hier dargestellten Sachverhalt, sondern um das Vorurteil, dass Arbeitszeugnisse aus nichtssagenden Formulierungen bestehen, welche somit keine relevanten Empfehlungen in einer Bewerbung widerspiegeln. Wenn sich jedes Unternehmen beim Verfassen von Arbeitszeugnissen regelkonform verhalten würde, dann wären diese Bedenken mehr als berechtigt. Da sich jedoch kein Arbeitgeber gerne das Recht nehmen lässt, seine Kollegen wahrheitsgemäß zu bewerten, haben sie über die Jahre eine ausgebuffte Methode entwickelt, welche es ihnen erlaubt, die „bedeutungslosen“ Phrasen so zu schreiben, dass Personalleiter ihnen einen tieferen Sinn entnehmen können. Somit schaffen es Arbeitgeber Angestellte auch im Arbeitszeugnis negativ bewerten zu können, sofern dies gerechtfertigt ist.

Formulierungen & Floskeln

Die im Zeugnis enthaltenen Formulierungen und Floskeln bewerten die Arbeit des Angestellten und betreffen seine Leistungen sowie sein Verhalten. Hier sind ein paar Beispiele, welche den Arbeitnehmer unterbewusst positiv, wie auch negativ darstellen und häufig von Arbeitgebern in Arbeitszeugnissen verwendet werden:

Beispiele mit einem positiven Unterton

  • … hat die Ihm oder Ihr übertragenen Aufgaben/ Projekte stets zu unserer vollsten Zufriedenheit erledigt. (ausgezeichnet)
  • … hat den Vorstellungen in jeder Hinsicht und bester Weise entsprochen. (gut)

Beispiele mit einem negativen Unterton

  • … hat die Ihm oder Ihr übertragenen Aufgaben weitestgehend zu unserer Zufriedenheit erledigt. (bedauerlich)
  • … hat sich bemüht, die Ihm oder Ihr übertragenen Aufgaben zu unserer Zufriedenheit zu erledigen. (durchgefallen)

Die Leistung betreffende Phrasen

  • Er brachte für seine Arbeit Verständnis auf. (Er war nicht produktiv.)
  • Er bemühte sich, unseren Vorstellungen zu entsprechen. (Der Wille war da, doch mehr brachte er nicht hervor.)

Das Verhalten betreffende Phrasen

  • Durch seine Geselligkeit trug er zur Verbesserung des Betriebsklimas bei. (Er leidet unter übertriebenem Alkoholgenuss.)
  • Er bewies ein umfassendes Einfühlungsvermögen für seine Kollegen. (Er ist homosexuell.)

Der Unterton in der Schlussformel

  • Er verlässt uns auf eigenen Wunsch. Wir bedauern sein Ausscheiden sehr und wünschen Ihm für die Zukunft alles Gute. (Das Unternehmen verliert den Arbeitnehmer sehr ungern.)
  • Wir wünschen Ihm für die Zukunft alles Gute, auch Erfolg. (Die Leistung wird hier zum Schluss noch negativ beurteilt.)

Die Bedeutung der Phrasen in Arbeitszeugnissen können bereits durch kleine Veränderungen eine völlig andere Intention bekommen. Dies kann man besonders gut am Abschnitt „Beispiele mit einem negativen Unterton“ erkennen. Die aufgeführten Sätze unterscheiden sich lediglich minimal im Aufbau und in der Wortwahl, aber sehr stark in ihrer Aussagekraft.

Benötigen Sie Hilfe bei der Erstellung und Prüfung Ihrer Arbeitszeugnisse? Informationen und Details finden Sie auf unserer Produktseite: Arbeitszeugnis.

Fazit & Rechte des Angestellten

Ein Arbeitnehmer sollte seinem Arbeitgeber als Verfasser des persönlichen Arbeitszeugnisses, nicht zwangsläufig blind über den Weg trauen. Wer genau hinsieht, ertappt seinen Arbeitgeber vielleicht dabei, wie er ein paar unangenehme oder positive Bemerkungen in das Arbeitszeugnis einbindet. Jedoch muss sich ein Mitarbeiter nicht alles von seinem Arbeitgeber gefallen lassen. Besteht ein besonders großes Misstrauen kann und sollte sich ein Arbeitnehmer einen rechtlichen Beistand sichern, welcher den Text …

… noch einmal genauer unter die Lupe nimmt. Sollte das erstellte Arbeitszeugnis gravierende Rechtsverstöße aufweisen, könnte dies zu Lasten des ehemaligen Vorgesetzten gelegt werden. Schließlich geht es um die berufliche Existenz des Bewerbers und dieser sollte sich im Notfall verteidigen dürfen. Auf der anderen Seite will nicht jeder Arbeitgeber seinem Mitarbeiter mit hinterlistigen Formulierungen im Arbeitszeugnis schaden und ihn vielleicht sogar fördern. Jedoch heißt es auch hier: „Vorsicht ist besser als Nachsicht.