Das Bochumer Unternehmen webschmiede GmbH betreibt seit 2012 den Bewerbungsservice „Die Bewerbungsschreiber“. Sie erstellen professionelle Bewerbungsunterlagen, die auf jeden Bewerber individuell zugeschnitten werden und für CV-Parser und Bewerbermanagementsysteme (ATS) auslesbar und optimiert sind. Das Unternehmen befasst sich seit mehreren Jahren mit dem Einsatz von technischen Lösungen und Parsing im Recruiting und hat im Rahmen eines umfassenden Tests analysiert, an welchen Stellen Probleme bei der Extraktion von Lebenslauf Daten in ein Bewerbermanagementsystem (ATS) auftreten.
Presseinformation: Lebenslauf-Studie (ATS)
Analyse von Lebensläufen im Hinblick auf ihre Datenqualität und Auslesbarkeit für Bewerbermanagementsysteme (ATS)
Unter der URL https://www.die-bewerbungsschreiber.de/cv-parsing-check-kostenlos wird Jobsuchenden ein Tool zur Verfügung gestellt, mit dem die Nutzer ihre Lebensläufe prüfen können. Nach Upload eines Dokuments kommt ein CV-Parser zum Einsatz, der alle möglichen Daten ausliest und interpretiert. Die erkannten Daten werden den Nutzern auf einer Ergebnisseite kostenlos zur Verfügung gestellt, damit diese überprüfen können, ob diese korrekt aus ihrem Lebenslauf ausgelesen werden.
Das von der webschmiede GmbH entwickelte Tool ist sehr beliebt und wird intensiv genutzt. Im Zeitraum 06.01.26 bis 25.09.26 wurden 12.343 Lebensläufe hochgeladen. Jedes Dokument wurde mit einem marktüblichen CV-Parser maschinell in strukturierte Felder zerlegt: Berufliche Stationen mit Jobtitel, Arbeitgeber und Zeitraum, Ausbildung und Kontaktdaten. Für die Auswertung wurde geprüft, welche dieser Felder die Software zuordnen konnte, teilweise im Abgleich mit dem Rohtext des Dokuments. Alle Ergebnisse sind aggregiert; einzelne Lebensläufe wurden nicht bewertet.
Demografische Daten zur Studie
Bei 7.377 Lebensläufen konnte die Software das Geschlecht ableiten – davon entfielen 60,9 % auf männliche und 39,1 % auf weibliche Bewerber. Mehr als die Hälfte der Nutzer ist zwischen 25 und 44 Jahre alt, der Median liegt bei 34 Jahren.
Zentrale Erkenntnisse aus der Studie
1. Lebensläufe sollten nicht als Fotos oder Scans eingereicht werden
Eingescannte oder abfotografierte Lebensläufe schneiden signifikant schlechter gegenüber einer gängigen PDF im Text-Format ab. Bei 62,8 % dieser Lebensläufe fehlten Angaben zur Berufserfahrung oder Ausbildung. In 32,1 % der Dokumente fehlen zu beiden Kategorien die Angaben. Somit werden lediglich 37,2 % aller Lebensläufe vollständig ausgelesen.
Warum ist das ein Problem?
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Wenn Daten fehlen, können diese logischerweise nicht zur Beurteilung eines Bewerbers oder einer Bewerberin berücksichtigt werden. Das gilt sowohl für Personalverantwortliche als auch für eingesetzte Software im Bewerbungsprozess.
2. Lebensläufe enthalten häufig fehlerhafte Zeitangaben
Betrachtet man nur Lebensläufe von Personen mit Berufserfahrung (n = 11.373), so lässt sich feststellen, dass in 44 % der Lebensläufe mindestens eine Zeitangabe ohne Monat extrahiert wird. In 15,5 % der Fälle fehlt sogar das komplette Datum bei mindestens einer Station.
Warum ist das ein Problem?
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Wenn ein Zeitraum nicht korrekt oder gar nicht erfasst wird, wird diese Station möglicherweise nur unzureichende oder gar keine Berücksichtigung für ein mögliches Matching finden. Ein Datum ist sozusagen ein Beweis für einen ausgeführten Job oder ausgeführte Tätigkeiten. Wenn dies bei einer beruflichen Station fehlt, sind zwar die entsprechenden Keywords im Lebenslauf vorhanden, aber der Beweis der Erfahrung fehlt. Ein gutes ATS wird diese Station entsprechend weniger stark oder gar nicht für ein Matching berücksichtigen. Ein Parser addiert die Zeiträume der einzelnen Station, um die gesamte und positionsbezogene Berufserfahrung zu ermitteln und auch auszugeben. Häufig wird eine gewisse Berufserfahrung (z.B. 10 Jahre im Vertrieb) gefordert. Wenn das ein hartes Ausschlusskriterium ist, kann eine fehlerhaft ermittelte oder fehlende Zeitangabe somit zur automatisierten Absage durch ein ATS führen.
3. Fehlende Daten zu Arbeitgebern und Jobtiteln
Warum ist das ein Problem?
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Ein nicht ausgelesener Arbeitgeber oder Jobtitel kann vor allem bei längeren Stationen besonders kritisch sein, da die Station mit hoher Wahrscheinlichkeit nur unzureichende oder gar keine Berücksichtigung für ein mögliches Matching findet. Das oben beschriebene Problem tritt auch hier in ähnlicher Form auf. Ein Parser addiert die Zeiträume der einzelnen Stationen, um eine positionsbezogene Berufserfahrung bzw. Branchenerfahrung zu ermitteln und auch auszugeben. Durch das Fehlen des Jobtitels oder des Arbeitgebers wird die Interpretation der Station erschwert. Der Datensatz ist auch nicht vollständig und findet unter Umständen gar keine Berücksichtigung. Somit kann die Problematik ebenfalls zur automatisierten Absage durch ein ATS führen.
Persönliche Stellungnahme der Geschäftsführung
Unsere Analyse verdeutlicht, dass die Diskussionen auf Plattformen wie LinkedIn und Reddit darauf zurückzuführen sind, dass viele BewerberInnen sowohl an inhaltlichen als auch an technischen Hürden scheitern. Die zunehmende Verbreitung von künstlicher Intelligenz hat auch im Recruiting zu einem Technologieschub geführt. Lebensläufe werden oftmals maschinell vor- oder sogar aussortiert, bevor sie ein Mensch zu Gesicht bekommt. Die Problematik, dass KandidatInnen Absagen erhalten, da die Informationen im Lebenslauf nicht optimal aufbereitet sind, ist aus unserer Sicht in den letzten Jahren größer geworden. Fehlzuordnungen entstehen erfahrungsgemäß vor allem durch ungeeignete Bewerbungslayouts. Vor allem zweispaltige Layouts bergen Gefahren, da völlig unterschiedliche Informationen oftmals in einer Zeile vorhanden sind. Das kann dazu führen, dass eine berufliche Station gänzlich fehlt und somit auch nicht berücksichtigt für die weitere Bearbeitung werden kann.
Stefan Gerth (Gründer und Geschäftsführer der webschmiede GmbH)
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