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Zweifelhafte Bewerberauswahl

Wie Unternehmen Ihre Kandidaten aussuchen

Jedes Unternehmen hat eine eigene Methodik zur Auswahl des perfekten Kandidaten, wobei es sich teils um eine zweifelhafte Bewerberauswahl handelt. Sie haben sich perfekt im Vorstellungsgespräch verhalten und trotzdem eine Absage bekommen? Vielleicht liegt es an Ihrer Kopfform, dass Sie nicht genommen wurden.

Das Bewerbungsgespräch lief perfekt. Sie haben Ihre Qualifikationen sowie Ihre Persönlichkeit vorbildlich dargestellt. Skurrile Fragen konnten Sie problemlos beantworten, haben dabei sogar Humor bewiesen. Die Atmosphäre beim Vorstellungsgespräch war nicht angespannt und bei einem Rundgang durch die potenziell künftige Abteilung waren die Kollegen auf Anhieb sympathisch.

Trotz alledem, obwohl Sie der perfekte Kandidat gewesen wären, erscheint wenige Tage später mit tiefem Bedauern die Absage der Personalabteilung im E-Mail Postfach. Doch was war das Ausschlusskriterium?

Sobald Sie ein peinliches Profil auf Facebook und Fehlinformationen auf Ihrem Xing-Profil ausschließen können, bleiben nicht mehr viele Möglichkeiten. So denken zumindest Bewerber. Doch haben Sie je an eine (wissenschaftlich) eher zweifelhafte Bewerberauswahl gedacht?

Was bedeutet eine zweifelhafte Bewerberauswahl?

Es gibt auf der einen Seite standardisierte Verfahren zur Bewerberauswahl. Diese Methoden basieren auf Analysen sowie auf der Erstellung von Bewertungsbögen. Bekannt ist dabei u. a. die DIN 33430, welche den Prozess selbst sowie die Anforderungen an einen Personaler (oder ein extern beauftragtes Unternehmen) eindeutig definiert. Auf der anderen Seite hat jedes Unternehmen bei der Personalauswahl ganz eigene Methoden, um den perfekten Kandidaten auszuwählen. Aus rein wissenschaftlicher Sicht sind einige dieser Vorgehensweisen eher zweifelhaft.

Zum Beispiel zeigen verschiedene wissenschaftliche Studien (bspw. Heinz Schuler, 2007), dass in Deutschland 2,4 % der Unternehmen, darunter auch namenhafte Konzerne, Grafologen zur Einschätzung des Bewerbers einsetzen. Andere wiederum greifen auf die Astrologie, die Körpersprache oder auch die Psycho-Physiognomik zurück. Führende Wirtschaftspsychologen, unter ihnen Uwe Peter Kanning, belegen über Empirie die zweifelhafte Natur dieser Bewerberauswahl.

Warum werden diese anzuzweifelnden Methoden verwendet?

Zunächst einmal sprechen Laien den Ergebnissen solcher Analyseverfahren eine gewisse Gültigkeit zu. Die Aussagen, die getroffen werden, sind eben so allgemeingültig wie abstrakt, dass ein jeder sich leicht damit identifizieren kann. Genauso leicht wie eine Identifizierung ist die Übertragbarkeit der Ergebnisse auf einen Bewerber. Die Resultate sind vergleichbar mit den Aussagen, die in Horoskopen über Ihre Zukunft gemacht werden. Blättern Sie einmal alte „Vorhersagen“ durch, so werden Sie leicht – vielleicht auch widerwillig – einige Treffer entdecken. Blättern Sie für einen Bekannten die Aussagen durch, so werden Sie ebenfalls feststellen, dass diese Person bestimmt zu der Zeit auch mal traurig war oder Stress hatte.

Ein weiterer Grund ist, dass diesen Methoden – ebenfalls von Laien – eine hohe Glaubwürdigkeit zugesprochen wird. Der Effekt dahinter, so Kanning (2009), ist der sogenannte Häufigkeits-Validitäts-Effekt. Je häufiger etwas gelesen wird, desto eher wird es als wahr und richtig anerkannt – selbst wenn es sich um den größten Humbug handelt. Ein Beispiel dafür ist das bekannte Hörspiel „Krieg der Welten“ von Orson Welles (1938) über den Angriff von Aliens, welches in den USA im Rundfunk ausgestrahlt wurde. Da das Spiel, ähnlich wie Nachrichtenmeldungen, mit einer solchen Dringlichkeit vorgetragen wurden, gerieten die Bürger der USA in Panik, tatsächlich von dem Mars angegriffen zu werden:


Das gleiche Phänomen ist wiederum bei den sogenannten zweifelhaften Methoden zu beobachten, die teils unkritisch von eigentlich renommierten Zeitschriften aufgegriffen werden – und wenn renommierte Zeitschriften darüber berichten, dann muss es doch wahr sein, oder?

Welche Kriterien werden für die zweifelhafte Bewerberauswahl genutzt?

Die Körpersprache

Bei der Betrachtung der Körpersprache im Vorstellungsgespräch werden Rückschlüsse auf die Persönlichkeit des Bewerbers gezogen. Hierzu greifen Personaler auf vorhandene Kataloge zur Beurteilung der Körpersprache sowie der Haltung des Kandidaten zurück.

Die Methode scheint richtig zu sein, da schließlich genug Ratgeber über die Wirkung von Körpersprache berichten. Es gilt jedoch zu Unterscheiden zwischen der Art, wie eine Bewegung auf uns wirkt und wie die ausübende Person tatsächlich ist. Nur weil jemand in einem Moment distanziert wirkt, ist dies nicht gleichbedeutend mit einer konstant distanzierten Art. Zudem gibt das Gespräch lediglich einen kurzweiligen Einblick in die Körperhaltung, sodass schlecht das dauerhafte Verhalten der Person definiert werden kann.

Die Grafologie

Zweifelhafte Bewerberauswahl - Grafologie - Frau schreibt einen Brief

© energepic energepic

Die Grafologie ist befasst sich mit der Deutung der Handschrift. Lange Zeit über war Frankreich bekannt dafür, die Handschrift als ein mögliches Ausschlusskriterium bei Kandidaten zu nutzen. Doch auch deutsche Konzerne können sich davon nicht freisprechen. Deutungen funktionieren u. a. wie folgt:

Neigen sich Ihre Buchstaben nach links? Dann scheinen Sie zu den eher introvertierten Menschen zu gehören. Bei nach rechts neigenden Lettern sind Sie dann entsprechend extrovertiert. Ziehen Sie Ihre Buchstaben weit nach unten? So müssen Sie wohl sehr triebhaft sein. Während eine Ausprägung der einzelnen Lettern nach oben hin von einem Schreiber zeugt, der eher dem Denken und der Moral zugeneigt ist – scheinbar ganz in Anlehnung an das freudsche Konstrukt von Es – Ich – Über-Ich.

Die Zweifelhaftigkeit dieser Methodik wird schnell klar, wenn Sie einmal bedenken, wie abhängig Ihr Schriftbild von der Situation ist, in der Sie schreiben. Sind Sie gerade in Eile oder nervös, so wird Ihre Schrift wesentlich krakeliger als sonst.

Astrologie

Der Astrologie zufolge beeinflusst die Sternenkonstellation zum Zeitpunkt unserer Geburt maßgeblich unser Leben, unsere Talente sowie unseren Charakter. Ausschlaggebend ist dabei vor allem der Zeitpunkt der Geburt – sowohl das Datum als auch die genaue Uhrzeit.

Böse Zungen sprechen dabei von einer Waschweiberlogik. Tatsächlich ist es so, dass über 500 verschiedene wissenschaftliche Studien bereits belegt haben, dass die Konstellation der Himmelskörper bei der Geburt auf die Persönlichkeit keinen Einfluss hat.

Namenspsychologie

De Namenspsychologie folgt der Überzeugung, dass die Seele eines Menschen wiedergeboren wird. Durch das „Wiederkehren“ in den Körper eines Neugeborenen werden die persönlichen Eigenschaften übertragen und dadurch die Namensgebung beeinflusst.

Dabei ist es unabhängig, ob in Ihrer Familie Vornamen von Generation zu Generation weitergegeben werden, oder Ihre Eltern durch ein bestimmtes Ereignis beeinflusst wurden. Wie Sie bereits an der Beschreibung merken, ist diese Theorie auch eher zweifelhafter Natur.

Psycho-Physiognomik

Zweifelhafte Bewerberauswahl - Kopfform - Portät einer Frau

© Roksolana Zasiadko

Psycho-Physiognomiker sind sogenannte Schädeldeuter. Die Theorie selbst kann sogar bis nach Aristoteles hin zurückverfolgt werden. Bei der Deutung der Schädelform wird von dem folgenden Szenario ausgegangen:

Unterschiedliche Hirnareale verantworten verschiedene Fähigkeiten von uns, soweit richtig. Doch dann: Je ausgeprägter die verschiedenen Talente sind, desto größer sind die einzelnen Hirnregionen. Diese drücken dann von innen gegen die einzelnen Schädelplatten, wodurch sich die Kopfform sowie die Gesichtszüge verändern. Folglich wird Ihre Kompetenz anhand der Form Ihres Kopfes, Ihrer Ohren und Nase sowie Ihrer Gesichtszüge beurteilt.

Jeder Neurologe hingegen wird Ihnen versichern, dass Ihr Gehirn über ein Geflecht von Synapsen, die miteinander über ein Netzwerk verbunden sind, funktioniert. Eine starke Auswölbung an Ihrem Gehirn gibt hingegen eher Grund zur Besorgnis – um damit nur zwei Gründe zu nennen, die gegen diese Theorie sprechen.

Was Sie gegen diese zweifelhafte Bewerberauswahl machen können?

Rein gar nichts. Seien Sie froh, dass ein Unternehmen mit diesen Methoden Sie nicht erwählt hat, und bewerben Sie sich weiter.

Sie haben Fragen zu Ihrer Bewerbung? Wir können Ihnen bei der Optimierung helfen, kontaktieren Sie uns einfach:

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