• Über 98% zufriedene Kunden
  • Bearbeitbare MS Word-Dokumente
  • Zufrieden oder Geld zurück

Diskriminierung türkischer Bewerber

Diskriminierung Bewerbung

© Jakub Jirsák - Fotolia.com

Chancengleichheit? Fehlanzeige! Bewerber mit türkischen Wurzeln haben es auf dem deutschen Arbeitsmarkt schwer. Weder ihre Erfahrungswerte noch ihre Qualifikationen geben den Ausschlag – es sind ihre Namen. Ihre deutschen Mitbewerber haben dieses Problem nicht. Nun wurde die Diskriminierung türkischer Bewerber aufgedeckt und offenbart, wieso Hakan schlechter im Bewerbungsverfahren abschneidet als Tim.

Studie enthüllt Diskriminierungsproblem

Tim und Hakan bewerben sich als Kfz-Mechatroniker. Dies ist nicht der Anfang eines lustigen Witzes, sondern eines ernsten Experimentes. Ebenfalls darin verwickelt sind Lukas und Ahmet, die Ihre Bewerbung als Bürokaufleute in Angriff genommen haben. Im Mittelpunkt des Tests stehen rund 3600 Bewerbungen, welche an knapp 1800 Unternehmen und Betriebe versendet wurden. Wer jetzt denkt, er hätte das Experiment als knifflige Matheaufgabe enttarnt, liegt ebenfalls falsch.

„Wir haben es in Deutschland mit einem ernsthaften Diskriminierungsproblem zu tun“‚, sagte Studienleiter Jan Schneider. (Zitat: Süddeutsche Zeitung)

Die angegebenen Informationen beziehen sich auf eine Studie des Sachverständigenrats deutscher Stiftungen. Durch diese konnte erst kürzlich bewiesen werden, dass türkische Bewerber aufgrund ihrer Herkunft in Bewerbungsverfahren deutlich durch die Voreingenommenheit deutscher Personaler benachteiligt werden. Hakan und Ahmet waren in diesem Fall, genau wie ihre Mitbewerber, fiktive Personen. Allen vieren wurden die Lebensläufe eines Musterschülers auf den Leib geschneidert. Sie unterschieden sich daher weder in ihren Erfahrungswerten, noch in ihren Qualifikationen für den Job. Selbst der Geburtsort (Deutschland) und die Muttersprache (Deutsch) blieben bei den Bewerbungen gleich. Lediglich die Wurzeln und die Namen verwiesen auf eine andere Herkunft – einmal türkisch, einmal deutsch.

Das Ergebnis zeigt eine klare Tendenz: Deutsche Schüler wurden öfter zu Vorstellungsgesprächen eingeladen und bekamen, im Gegensatz zu türkischen Kandidaten, häufiger eine direkte Absage im Falle eines Scheiterns. Bei Tim und Hakan (Job: Kfz-Mechatroniker) fiel die Diskriminierung größer aus als bei Ahmet und Lukas (Job: Bürokaufleute). Darüber hinaus trat diese Vorgehensweise in kleinen Unternehmen deutlicher auf als in großen Unternehmen.

Motive im Human Resource Management

Deutschlands Personalverantwortlichen blanken Rassismus zu unterstellen, wäre ein Schuss über das Ziel hinaus. Dennoch muss von einem Diskriminierungsproblem gesprochen werden, welches in erster Linie durch Vorurteile der Personalentscheider entsteht. „Werden die türkischstämmigen Azubis von der Belegschaft und dem Kundenkreis gleichermaßen akzeptiert?“ und weitere Fragen sind ausschlaggebend für viele ungerechtfertigte Absagen an türkische Bewerber. Laut einem Bericht des Sachverständigenrats deutscher Stiftungen geben Personalentscheider dabei den Grund an, am ehesten Bewerber einzustellen mit denen sie sich selbst identifizieren können. Nun werden die Fragen laut, ob es nicht Zeit wird, die Zahl der türkischen Personalverantwortlichen zu erhöhen und wie eine Veränderung stattfinden kann.

Mögliche Lösung: Die anonymisierte Bewerbung ist eine Neuerung, die erst vor zwei Jahren erfolgreich in einem Pilotprojekt der NRW-Landesregierung getestet wurde. Die zu vergebenen Stellen befanden sich damals in Landesbehörden und Ministerien. Deutlich wurde damals, dass besonders kleinere Betriebe die anonyme Bewerbung ablehnten und diese mit einem höheren Arbeitsaufwand verbanden. Größere Unternehmen standen dem, aufgrund ihrer ausgeprägteren Auswahlprozesse, deutlich offener gegenüber. Auf dem Weg zu einem chancengleichen Bewerbungsverfahren scheint es noch viele Baustellen zu geben – doch die größte befindet sich in den Köpfen deutscher Personaler.