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Der Facebook-Strip: Bewerberprofile vs. Cyber-Scanner

Facebook-Strip: Bewerberprofile vs. Cyber-Scanner

© peshkova - Fotolia.com

Das Internet ist ein wahres Füllhorn an Informationen. „Einmal schnelles Wissen zum Mitnehmen bitte!“, dies ist der Grundsatz vieler Nutzer. Vor allem Schüler wissen den Wert von Wikipedia und Co. zu schätzen. Wer greift heute schon noch zum staubigen Brockhaus aus dem Bücherregal? Für Personalentscheider hält das Internet jedoch weitaus interessantere Infos als das typische Allgemeinwissen bereit. Eine neue Software soll ihnen das Kennenlernen von Bewerbern erleichtern und analysiert Profile in sozialen Netzwerken. Was sagt ihr Profil auf Facebook über Sie aus?Bewerberspionage ist das Schlagwort. HR-Chefs vertrauen dabei auf Facebook und eine neue Software, die Bewerber-Profile analysiert und auswertet.

Spionage auf Facebook – Zielperson: Bewerber X

Offiziell ist das Googeln von Bewerbern verpönt. Schließlich reicht einem qualifizierten Personalentscheider der kritische Blick auf die Bewerbung, um das „Profil“ des Bewerbers genau zu analysieren – und wofür gibt es noch mal das Vorstellungsgespräch? Inoffiziell ist es Fakt: Bewerber werden ausspioniert! Google ist alte Schule, Facebook das neue Schwarz. Wer das private Ich seiner Bewerber kennen will, greift auf das soziale Netzwerk zurück. Dass dieser Wechsel Früchte trägt, weiß Donald Kluemper, seines Zeichens Management-Professor an der Northern Illinois University. Er wies nach, …

dass eine kurze Besprechung des Facebook-Profils informativer als ein durchschnittliches Vorstellungsgespräch ist. Kluempers These ist durchaus nachzuvollziehen. Viele Menschen versuchen, ihr Privatleben eben nicht gerade auf Facebook zu verstecken. Ein einfacher Blick auf ein Profil reicht jedoch nicht. Es gibt einen Trick. Bei diesem handelt es sich um eine neue Software, die von den Psychologen Sandra Matz und Michal Kosinski der University of Cambridge entwickelt wurde und Psychogramme aus Facebook-Profilen erstellt.

Charakteranalyse per Mausklick

Über die Website applymagicsauce.com lässt sich der Persönlichkeitstest als Selbstversuch durchführen. Frei nach dem Motto: Zeig mir dein Profil auf Facebook und ich sag dir wer du bist. Als Basis dienen dabei die wichtigsten Faktoren des Facebook-Profils: Likes, Bilder, Gruppenzugehörigkeit und so weiter. Je mehr dieser Faktoren vorhanden sind, desto genauer ist auch deren Auswertung. Neben einfachen Charaktereigenschaften lassen sich Informationen wie die sexuelle Orientierung und politische Ausrichtung des Kandidaten ermitteln.

Auch wenn die Macher von der Validität der Auswertungen überzeugt sind, kann nicht von einer 100-prozentigen Gültigkeit der Ergebnisse gesprochen werden. Am Beispiel der sexuellen Orientierung steht fest, dass Männer mit einer 88-prozentigen Genauigkeit eingeschätzt werden können, während sie bei Frauen lediglich bei 75 Prozent liegt. Die Berechnungen werden von einem Algorithmus vorgenommen, der sich durch „Machine Learning“ und seine fortlaufende Arbeit selbstständig verbessern kann. Die Macher bauen auf die Objektivität ihrer Errungenschaft. Personalentscheider aus Fleisch und Blut vertrauen neben den Fakten auf ihre persönlichen Erfahrungswerte, während die Software frei von subjektiven Einflüssen sein soll.

Dennoch gibt es Experten, die am schnellen Onlinecheck zweifeln. Tomas Chamorro-Premuzic, Professor für Unternehmenspsychologie am University College in London, bezweifelt offen die Möglichkeit Faktoren wie Kreativität anhand dieses Verfahrens nachvollziehen zu können. Außerdem sei die Genauigkeit der Profil-Analyse auf Facebook nicht mit einem herkömmlichen psychometrischen Test gleichzusetzen.

Fazit

Wer seine persönlichen Daten auf Facebook preisgibt, sollte sich im Klaren sein, dass sie damit der Öffentlichkeit ausgeliefert werden. Auch wenn jeder Nutzer dies wissen sollte, hält Sandra Matz, Psychologin und Mitschöpferin des Analyse-Tools PredictionAPI, das Thema für kontrovers. Nach ihrem Standpunkt sollte die Verantwortung nicht allein bei den Bewerbern liegen, sondern ebenfalls von den betroffenen Unternehmen getragen werden. Datenschutz bleibt letztendlich Datenschutz. Sollten Unternehmen die, durch Facebook-Analyse oder ähnliche Methoden, gesammelten Daten mit in den Bewerbungsprozess einbeziehen, dann bedürfe es in Zukunft klarer Richtlinien und Standards.

Quelle: www.welt.de